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Dem Menschen Würde geben


Kuba »aktualisiert« sein Wirtschaftsmodell und behält dabei die Ziele der Revolution im Blick. Eine gut ausgebildete Jugend ist Garant dafür, der pseudokulturellen Globalisierung standzuhalten

Luis Morlote auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz

Luis Morlote
Foto: Christian Ditsch/Version

Ich bin Vorsitzender der »Asociación Hermanos Saíz, in der kubanische Schriftsteller unter 35 organisiert sind. Ich will etwas zu den Herausforderungen sagen, vor denen der revolutionäre Prozeß in Kuba steht. Es gibt mittlerweile neue Generationen in meinem Land, die den Sozialismus haben wollen. Wenn er auch noch nicht perfekt ist, so ist er doch das, was wir aufbauen wollen. Es gibt eine breite Debatte über die Zukunft Kubas. Es geht nicht nur um die Entwicklung der Wirtschaft, sondern auch um andere Bereiche der kubanischen Gesellschaft. Die Aktualisierung unseres Wirtschaftsmodells diskutieren wir in der Partei, in den Betrieben und in den einzelnen Wohnvierteln. Alles ist darauf gerichtet, daß sich eine nachhaltige sozialistische Gesellschaft entwickelt, die auch von Wohlstand geprägt ist.

Privatisierungen

Die Aktualisierung des Wirtschaftsmodells bedeutet nicht eine Veränderung des politischen Systems an sich. Es gibt eine Veränderung bei den Institutionen des Landes, die kubanische Gesellschaft kann anders funktionieren. Das Wirtschaftsmodell wird nach und nach verändert. Es gibt eine ganze Reihe von Maßnahmen, die von der kubanischen Bevölkerung unterstützt werden. Zunächst einmal ging es darum, die Produktion effektiver zu gestalten und das Land zu entwickeln. Schließlich wurden die Ein- und Ausreisebestimmungen verändert. Ländereien werden an Bauern zur Produktion von Nahrungsmitteln übergeben, die in Zukunft auch exportiert werden können. Man kann hier von einer dritten Agrarreform in Kuba sprechen: Von 2008 bis Ende Dezember 2012 sind 1523000 Hektar an natürliche und juristische Personen übergeben worden. Vorrangig zielt die Maßnahme darauf ab, die Nahrungsgüterproduktion zu erhöhen und so die Importe zu verringern, die das Land soviel kosten. Ende vergangenen Jahres haben 400000 Kubaner bereits als Selbständige gearbeitet, vor allem im Dienstleistungssektor. In diesem Quartal kümmert sich eine Arbeitsgruppe darum, das ganze auf das Verkehrswesen und andere Bereiche des öffentlichen Lebens zu übertragen.

Die Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells hat das Ziel, das Land weiterzuentwickeln und das Lebensniveau der Bevölkerung in Kuba zu erhöhen. Das Wirtschaftsmodell beruht weiterhin auf dem sozialistischen Eigentum, gleichzeitig werden aber auch Markttendenzen berücksichtigt. Das Wirtschaftsmodell, das in Kuba entwickelt wird, hat als Kern die staatlichen sozialistischen Unternehmen, aber es erkennt auch andere Managementformen an, wie Genossenschaften, selbständige Arbeit oder auch gemischte Betriebe. Die Wirtschaftspolitik, die vom Parteitag im April 2011 bestätigt wurde, beruht auf der Idee, daß Sozialismus Gleichberechtigung bedeutet und daß Chancengleichheit besteht für alle Bürger. Wir wollen, daß die sozialistische Gesellschaft alle mitnimmt und niemanden allein zurückläßt.

Subventionen

Es gibt sehr viele Unterstützungsleistungen, bis hin zu persönlichen Subventionsleistungen für diejenigen, die ein sehr geringes Einkommen haben, die also ihre persönlichen Bedürfnisse nicht befriedigen können, obwohl sie arbeiten. Es gibt auch Subventionen für die Reparatur und den Bau von Wohnungen und Häusern. Und es gibt eigens Unterstützungen für diejenigen, die als Selbständige arbeiten wollen. Dieses Konzept der Verbesserung des Wirtschaftsmodells in Kuba findet die Unterstützung der Bevölkerung.

Bildung, Gesundheitswesen, Sport, Kultur -- die sozialen Leistungen des Landes bleiben erhalten. Wer Kuba kennt, weiß, daß das grundlegende Prinzipien sind, die weiter gestärkt werden. Der Staat stellt hierfür beträchtliche Mittel zur Verfügung. Gleichzeitig wird immer überprüft, wie die Strukturen verbessert werden können. Im Gesundheitswesen zum Beispiel ist die Qualität der Arbeit der Ärzte kaum noch zu verbessern, gleichwohl muß das System verbessert werden.

Das sind nur einige Punkte, die ich erwähnen wollte, an denen wir heute im Rahmen des neuen Wirtschaftsmodells arbeiten. Es gibt sicherlich immer auch Zweifel und Ungewißheiten, aber wir versuchen systematisch, daran zu arbeiten. Die Nationalversammlung diskutiert und hört sich an, was das Volk dazu zu sagen hat.

Anhaltende Blockade

Man darf nicht vergessen, daß wir bis zum heutigen Tag mit einem großen Problem konfrontiert sind. Jeder weiß von der Blockade gegen Kuba, jeder weiß, welche Berichte im Oktober von Kuba vor den Vereinten Nationen vorgelegt worden sind, wie sich das alles bis heute entwickelt hat. Man rechnet damit, daß die gesamte Blockade gegen Kuba bisher 1,6 Billionen Dollar gekostet hat. 1,6 Billionen Dollar. Und die Blockade ist noch immer sehr aggressiv.

Ernesto Che Guevara hat 1961 an der Universität in Montevideo gesprochen und erklärt, im Sozialismus ist die Wirtschaftsentwicklung nur ein Mittel für den Zweck. Wir wollen den Menschen Würde geben. Das ist die Idee, die uns leitet in unserer gesamten Arbeit in Kuba seit der Revolution 1959. Das gilt bis heute, und deshalb trotzen wir der Blockade.

International haben sich die Rahmenbedingungen verändert, doch wir setzen unseren Widerstand fort und bekommen dafür Zustimmung. Ich glaube, uns hat in all den schwierigen Jahren gerettet, daß wir versucht haben, das Leben und die Lebensqualität nicht nur an ökonomische Parameter zu binden. Als sich zum Beispiel nach 1993 viele Freunde von uns verabschiedet hatten und man sagte, ihr werdet auch abstürzen, da gab es Schwierigkeiten mit der Stromversorgung und mit Treibstoffen, man konnte nicht mal mehr Kartoffeln kochen oder dergleichen. In dieser Situation, als wir wirklich schon auf Grund geschlagen waren, hat sich Fidel mit den Intellektuellen zusammengesetzt. Und er hat etwas gesagt, was für uns zu einer Fahne wurde: Das erste, was wir retten müssen, ist die Kultur. Denn die Kultur ist ein Element des Widerstandes und ein Element der Quelle, um weiter Kräfte zu sammeln, um weiter voranzukommen. Ignacio Ramonet wird das nachher sicher noch besser sagen als ich.

Gegenmittel

Die Kultur hat in der kubanischen Revolution immer eine wichtige Rolle gespielt. Sie war und ist ein wichtiges Gegenmittel zum Modell, das nur auf Konsum ausgerichtet ist. Die pseudokulturelle Globalisierung versucht, auch uns dieses Modell aufzuzwingen. Wir wehren uns dagegen mit einer Kultur der Pluralität und der Teilhabe. Dazu gehört, daß alle Menschen Zugang zu Kultur haben. Deshalb war es so wichtig, daß gleich zu Beginn der Revolution eine Alphabetisierungskampagne durchgeführt wurde. Fidel hatte damals – ich war noch gar nicht geboren – ganz einfach erklärt: Wir müssen an das Volk rantreten und dem Volk die Möglichkeit geben, selbst zu lesen. Das war die wichtigste kulturelle Kampagne, die wir nach der Revolution durchgeführt haben. Mit dem Ergebnis, daß es 2012 mehr als eine Million Menschen in Kuba mit Universitätsabschluß gibt. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um als Mensch am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Die kulturellen Institutionen, die von der Revolution eingerichtet und jetzt erneuert werden, spielen eine ganz wichtige Rolle im gegenwärtigen Entwicklungsprozeß. Ich habe Ramón Chao sehr genau zugehört, als er über Don Quijote gesprochen hat. Ich habe das Buch als Schüler gelesen. Es hat damals nur 20 Centavos gekostet. Das heißt, jeder Kubaner hat einen ganz einfachen Zugang, um sich selbst ein Bild über Quijote de la Mancha zu machen.

Ein weiterer Aspekt war der Erhalt des kulturellen Erbes in Kuba und die Unterstützung der Literatur. Das hat dazu geführt, daß es eine wirkliche Freiheit der Kreativität in Kuba gibt, daß die Menschen Zugang finden zu den Printmedien, zum Radio und ihre Meinung kundtun können. Neben dem Literaturbereich gibt es überall in Kuba Kunstschulen als ein weiteres wichtiges Element. Wir haben ein kostenfreies Schulsystem. Musik, Theater, Film – vom Kindergarten bis zur Universität gehört die Kultur mit dazu. Wir wollen, daß sich Frauen und Männer ihr Leben lang künstlerisch weiterbilden können. In den letzten Kampagnen sind 30000 Kunstlehrer ausgebildet worden. Sie arbeiten in den Grundschulen wie in den weiterbildenden Schulen. Und sie unterrichten nicht nur Kinder, die einmal eine kulturelle Laufbahn einschlagen, sondern interessieren einfach alle für die Künste. Auch in Fabriken wird versucht, die künstlerische Ader der Menschen zu fördern. Wir haben hier einen großen Fortschritt erreicht. Künstler werden in Kuba sehr hoch geschätzt und sind im Volk stark verankert. Als der Hurrikan »Sandy« unlängst große Verwüstungen angerichtet hatte, gab es große Solidaritätsbekundungen für die Provinzen Holguín, Santa Clara und Guantánamo. Binnen 24 Stunden waren Solidaritätsgruppen eingerichtet worden, an denen sich auch Künstler beteiligt hatten. Künstlergruppen sind in die Städte und Ortschaften gegangen. Mancher würde vielleicht einwenden, wie kann man zu einem gehen und anfangen zu singen, dem gerade das Dach eingestürzt ist. Natürlich brauchen die Menschen im vom Hurrikan zerstörten Gebieten ein Dach über dem Kopf – aber der Zuspruch war wichtig, er war eine große Unterstützung. Insofern hat die Kultur eine ganz wichtige Rolle.

Ich denke, die Förderung der Kultur in Kuba hat großen Erfolg gehabt. Wir haben heute in allen Kulturbereichen viele Jugendliche, die sich aktiv betätigen. Es sind Jugendliche, die einfach mal was Neues ausprobieren und nicht nur Elemente eines Marktes oder eines Mainstreams berücksichtigen. Die junge Generation beteiligt sich kreativ an der Gestaltung der Gesellschaft. Sie beschäftigt sich nicht nur mit Musik und Literatur, sondern ist auch politisch interessiert und stellt Fragen. Am 3. Februar finden in Kuba Kommunal- und Parlamentswahlen statt. Den Kandidatenvorschlägen von den sozialen Organisationen, Studenten, Gewerkschaftern und Künstlern zufolge wird das Parlament zu 67 Prozent erneuert. Das heißt, daß neue Personen dort hinkommen. 48,9 Prozent der Kandidaten sind Frauen, bei den letzten Wahlen waren es noch 43 Prozent. Interessant ist auch das Durchschnittsalter der Kandidaten für dieses neue kubanische Parlament. Es liegt bei 48 Jahren. Wobei die größte Gruppe zwischen 36 und 50 Jahre alt ist. 70 Prozent aller Kandidaten sind nach der Revolution geboren. Sie waren an der Revolution nicht beteiligt – führen sie aber doch fort. Das geht nur, weil die Jugendlichen sich beteiligen, weil sie gut ausgebildet sind. Leider wird über diese Realität Kubas in den internationalen Medien nicht berichtet. Ich möchte daher alle nach Kuba einladen und ihnen versichern, daß wir die Ideale von Fidel und Raúl fortführen und verteidigen.

Die berufliche Laufbahn von Luis Morlote begann nach einem Wirtschaftsstudium 1993 beim Universitätsradio in seiner Heimatprovinz Via Clara. Dem Rundfunk ist er seither treu geblieben. In diesen Medien widmete er sich besonders den Themen der Jugend, der Kunst und Kultur. Mehrere Jahre wirkte er an verschiedenen Radiostationen in der Provinz Via Clara und war Programmdirektor für verschiedene Jugendformate. Im Jahr 2002 wechselte er zum legendäre Radio Rebelde, wo er bis zum Jahr 2008 als Direktor der Hauptnachrichten tätig war. In diesem Zeitraum arbeitete er ebenfalls als Drehbuchautor für das Bildungsprogramm für Television Cubana. Luis Morlote Luis ist Mitglied der Kommunistischen Partei Kubas und des Kommunistischen Jugendverbandes.

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Luis Morlote
Junge Welt, 30.01.2013





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