Startseite

FG BRD-Kuba

Cuba Libre

Informationen

Miami 5

Projekte


Termine

Presse

Buchtips

Reisen


Links

Downloads

Impressum


Newsletter anfordern:
Aktuelles über unseren email-Verteiler: e-mail


In der Kehle sind wir stark und feurig

Vom "brutalen Getränk aus Zuckerrohrsaft" zum Gaumengenuss –
die Geschichte des kubanischen Rums


Es war Christoph Kolumbus, der vor mehr als 500 Jahren entdeckte, dass das kubanische Land vorzügliche Eigenschaften für das Wachstum des Zuckerrohrs besaß – die klimatischen Bedingungen, der fruchtbare Boden, die Sonne und das Wasser waren hervorragende Bedingungen für diese Pflanze.

Die Eingeborenen und später die Schwarzen, die als Sklaven aus Afrika eingeschifft wurden, entwickelten die ersten Instrumente zur Gewinnung des Zuckerrohrsaftes, des Guarapo. Darauf folgten die Trapiches – kleine Zuckermühlen, die von Pferden oder Ochsen gezogen wurden – und dann Zuckerfabriken, deren Antrieb im Wesentlichen hydraulisch erfolgte. Schließlich entstanden die Centrales Azucareros, große Zentren, in denen der Zucker hergestellt wurde und auch noch heute produziert wird.



Rum

Das Auspressen des Zuckerrohrsaftes mit einer historischen Presse als Touristenattraktion


Der Zuckerrohrschnaps (Aguardiente) ist ein Produkt, das aus der Fermentation und Destillation des Zuckerrohrsirups gewonnen wird. Er überzeugt durch seine Transparenz und sein bekömmliches Aroma und spielt eine zentrale Rolle im Herstellungsprozess des kubanischen Rums. Im Jahr 1791, nach der Zerstörung der Zuckerfabriken auf Haiti durch Sklavenaufstände, entwickelte sich Kuba zum wichtigsten Zuckerexporteur für Europa. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts und mit der Einführung der Dampfmaschine boomte der Zuckerrohranbau, und die Anzahl der Rumfabriken vervielfachte sich im ganzen Land. 1837 wurde die Eisenbahn in Kuba eingeführt. Im Zuge des technischen Fortschritts kamen nun moderne Destillieranlagen in die sich stetig vergrößernden Fabrikgebäude. So wurde Spanien dazu gezwungen, Maßnahmen zur Förderung von Kubas Export im Bereich der Zuckerindustrie zu ergreifen.

Die Geschichte des kubanischen Rums ist untrennbar mit der Geschichte Kubas verbunden. Der Missionar Jean Baptiste Labat beobachtete, dass "die Wilden, die Schwarzen und die kleinen Ansiedler der Insel ein starkes und brutales Getränk aus dem Zuckerrohrsaft fabrizierten, das sie erheiterte und von ihren Erschöpfungen heilte". Von diesem fermentierten Getränk weiß man in Europa seit Anfang des 18. Jahrhunderts – ein Wissen, das unter anderem über Piraten, die Händler dieses Getränks, zu uns gelangte. Unter ihnen befand sich auch Fran cis Drake, der in der spanischen Region Castilla ein Getränk namens Draque populär machte, das hauptsächlich auf Zuckerrohrschnaps basierte.

Die Einführung neuer Technologien führte auch zu Umbrüchen im Herstellungsprozess. So entstand in Kuba der "Ron ligero" (ein leichter Rum) aus dem Zuckerrohrschnaps. Rum wurde zu einem Getränk von höchster Qualität und edlem Geschmack – ein Gaumengenuss, der zum Bestandteil des alltäglichen Lebens wurde.

Die ersten Rumfabriken befanden sich in Havanna, Cárdenas, Cienfuegos und Santiago de Cuba. Es entstanden neue Marken, deren Rumsorten durch Qualität herausragten und in der Welt bekannt wurden: San Carlos, Bocoy, Matusalem, Havana Club, Arechabala und Bacardí. Die kreolischen Unternehmer fertigten Flaschen in Serie an; so konnten die handgefertigten Behältnisse ersetzt und die Produktivität gesteigert werden.

In Havanna ist die Rumfabrik Santa Cruz von besonderer Bedeutung. Ihr Standort befindet sich an dem Ort, nach dem die Fabrik benannt wurde: ein ehemals rustikales Bauern- und Fischerdorf, das sich nun in die berühmte Gemeinde namens Santa Cruz del Norte verwandelt hat. Es ist heute ein wohlhabendes Gebiet, das die Vorteile des Klimas und die Nähe zum Meer genießt und aus seinen Zuckerrohrfeldern Produkte von hoher Qualität gewinnt.

Der baskische Auswanderer Don José Arechabala gründete eine Fabrik, in der er den Rum produzierte, den wir unter den Markenbezeichnungen Arechabala und Havana Club kennen. Letzterer ist zur Zeit die führende Marke des kubanischen Rums. 1830 kam der spanische Auswanderer Don Facundo Bacardí Massó nach Kuba und gründete die Firma Bacardí, die zu einer wichtigen Exportfirma des kubanischen Rums wurde.

Als der 10-jährige Krieg (1868 – 1878) ausbrach, geriet die kubanische Wirtschaft in eine Krise, in der mehr als die Hälfte der Fabriken zerstört wurde und die Landbesitzer bankrott gingen. Die Überwindung der Krise begann unmittelbar nach Kriegsende: Die Sklaverei wurde abgeschafft und die ehemaligen Sklaven konnten Land pachten. Die Eisenbahn wurde wieder instand gesetzt, ebenso erlebte die Zucker -industrie einen Aufschwung und konnte ihre Rum -fabriken vergrößern. 1959 wurden mit dem Sieg der kubanischen Revolution die Rumfabriken vergesellschaftet und in die Hände ihrer eigentlichen Besitzer gegeben – der aufopferungsvollen Meister und Angestellten, die darin arbeiteten. Die Mehrheit der ehemaligen Fabrikbesitzer verließ das Land, unter ihnen auch die Familien Arechabala und Bacardí, wobei letztere im Ausland noch heute Gebrauch von ihrer Marke macht und außerdem eine aggressive Politik gegen die kubanische Revolution unterstützt und finanziert (» siehe Buchtipp unten).

Nach der Revolution wurde die Rumindustrie reorganisiert, ihre Kapazitäten wurden vergrößert, es entstanden neue Marken, von denen auch einige international bekannt wurden. Dies ist der Fall bei dem Rum Caney, der ersten Marke, die nach 1960 exportiert wurde. Sie genießt eine breite Akzeptanz auf den europäischen und amerikanischen Märkten, in Russland, Deutschland, Bolivien, Ecuador, Mexiko, Kanada usw.

Für viele Besucher der Karibikinsel ist der Genuss eines Glases Rum eng mit einer guten Havannazigarre verbunden – eine Art Ritual, das nicht nur auf Kuba, sondern auch in anderen Kulturen, wie z. B. in Europa, populär geworden ist.

Unter den verschiedenen Rumsorten auf der ganzen Welt besitzt der kubanische Rum einen ganz besonderen Charakter und eine außergewöhnliche Qualität. Sein Aroma wird als sehr leicht, fein und erfrischend beschrieben. Mit seinem süßlichen Geschmack kann er pur oder auch als Cocktail getrunken werden. Deshalb findet man kubanischen Rum in den verschiedensten Variationen unter den zehn beliebtesten Getränken der Welt. Daiquiri, Mojito und Cuba Libre sind Paradebeispiele, wenn wir von dieser begehrten Spirituose sprechen. Der Rum Havana Club in all seinen Sortimenten und die traditionellen Exportmarken (zum Beispiel Santiago de Cuba und Cubay) tragen das Siegel der Herkunftsgarantie, das seit 1998 von der Regierung der Republik Kuba vergeben wird.

"Das Ziel ist, die Erfahrung Kubas einzubringen, denn der Rum ist der flüssige Geschmack der Insel und die Havannazigarre ist das Aroma. So sind wir: sanft, angenehm, süß und gastfreundlich. Doch in der Kehle sind wir stark und feurig. Wir sind gastfreundlich, wenn unsere Kultur respektiert wird; wenn nicht, erinnert die Stärke des Rums daran, dass wir uns auflehnen können." Dieser Satz des Chemikers und berühmten Meisters in der Rumherstellung, José Pablo Navarro, beinhaltet die ganze Bedeutung, die einem Schluck guten kubanischen Rums in der Kultur unseres Landes zukommen kann.

Das Anstoßen mit einem guten Rum verwandelt sich in ein Fest der Sinne, es erfreut den Geist und den Körper, solange man nicht übertreibt. Man verleiht dieser Zeremonie einen kulturellen Rang, sie schafft es, die Seele zu erquicken und den Geist zu bereichern, wie wir in Kuba sagen. Deshalb sollte man beim Anstoßen immer auch einen schönen Satz, ein Lied oder ein Gedicht zur Hand haben. Man sollte den Schluck in guter Gesellschaft zu sich nehmen und vor allem nicht zu tief ins Glas schauen – ein Übermaß an Alkohol kann der Gesundheit schaden, auch wenn es sich dabei um einen guten kubanischen Rum handelt. Zum Wohl!

Buchtipp:
Hernando Calvo Ospina:
"Im Zeichen der Fledermaus.
Die Rum- Dynastie Bacardí und der geheime Krieg gegen Kuba"

Papyrossa 2006
ISBN 3-89438-243-0, 12 Euro



Cuba Sí revista Justo Cruz (Übersetzung: Imke Weber)
Cuba Sí revista 2-2010








Spenden


Mitglied werden


Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba bei Facebook


Logo junge Welt

Logo Soliarenas

Logo Komitee Basta Ya

AG Kuba-Solidarität - DKP

Logo amerika21.de

Logo Che

Logo Aktionsbuendnis Venezuela Berlin

Logo TeleSur